
Es begann damit, dass beim Start des Winterpokals 2006 bei www.rennrad-news.de am Montag, den 06.11.2006 zwei Fahrerinnen (goody-w-85 und Nette vom Team Die Maß-Losen Team 1) bereits um 6:30 Uhr jeweils 20 Punkte (entspricht fünf Stunden Radfahren) eingetragen hatten und damit sowohl das Einzelranking als auch Teamranking anführten. Heute, am 17.12.2006, ist Goody-w-85 auf Platz 5 mit 594 Punkten und Nette auf Platz 31 mit 421 Punkten. Ihr Team liegt auf dem 26. Platz mit 1199 Punkten. (Zum Vergleich elch 430 Punkte, Platz 25, sein Team Weizenblitz 1582 Punkte, Platz 7). Die beiden hatten ihr Vorhaben, MISSION ONE bereits im Vorfeld, zwei Minuten vor Beginn des Winterpokals, bei www.rennrad-news.de angekündigt.
Diese Aktion löste äußerst lebhafte Reaktionen im Winterpokal-Forum aus, die von Erstaunen, über Ungläubigkeit, Ansporn bis zu beleidigenden Kommentaren führten. Noch während MISSION ONE im Gange war, kündigten Nette & Goody Teil zwei, MISSION TWO 48-Stunden-Nonstop-Rennradfahren, an. Ein paar Tage später stand der Termin auch schon fest: Freitag 8.12. bis Sonntag, 10.12.2006. Der Startschuss sollte freitags um 14:00 Uhr in Alzenau fallen.
Anfangs stand ich MISSION ONE eher skeptisch gegenüber. Obwohl ich relativ weit von Nette entfernt wohne (ca. 270 km) entschloss ich mich zur Kontaktaufnahme, da bei MISSION TWO Skeptiker und Fans der MISSION ONE zum Mitfahren eingeladen waren. Die Tour sollte sich über 48 Stunden erstrecken. Um möglichst viele zu Mitfahren zu motivieren, wurde extra darauf hingewiesen, dass die Teilnahme auch auf Teilstrecken möglich ist. Hier möchte ich festhalten, dass Nette immer sehr schnell auf meine Nachrichten geantwortet hat. Dies bestärkte mich in meinem Entschluss, bei MISSION TWO mitzumachen.
Wegen fehlender Ortskenntnis konnte ich zur Streckenplanung im Vorfeld nichts beitragen. Da jedoch auch eine private Veranstaltung gewisse Regeln zu einem gelungenen Ablauf benötigt, habe ich in regem Kontakt mit Nette zum Aufstellen der MISSION TWO-Tourhinweise beitragen können. Leider fehlte in der endgültigen Version der Hinweis, dass sich die Mitfahrer an die StVO halten – vielleicht kam daher auch Nettes Vorliebe für das „Durchfahren roter Ampeln“
Ich hatte mir fest vorgenommen, bei Nacht mitzufahren. Dadurch und durch die im Vorfeld genannte sehr niedrige Geschwindigkeit kam für mich die Fahrt mit Scott CR1 Carbon Rennrad nicht in Frage (wer will schon gerne vom Rad fallen – bei so niedrigen Geschwindigkeiten. Meine erste Wahl war das Gazelle Regenrennrad mit Shimano 105 10-fach Kassette und Vollausstattung (Nabendynamo, LED-Scheinwerfer mit Standlicht, Schutzblechen und Gepäckträger sowie Marathon Plus Bereifung) oder als zweite Wahl das Koga Trekkingrad mit Shimano Alivio 3x8 mit gleicher Ausstattung.
Zwei Tage vor dem Start merkte ich, dass mit dem Hinterrad des Regenrads etwas nicht stimmte. Das Rad hatte ich Anfang 2006 gekauft. In den ersten Monaten gab es häufiger Probleme mit insgesamt fünf abgerissenen Speichen. Nachdem der Tausch einzelner Speichen nicht erfolgreich war, wurde das Hinterrad neu eingespeicht. Danach lief es einwandfrei bis zum besagten Nikolaustag. Bei der Überprüfung des Hinterrades stellte ich fest, dass zwei nebeneinanderliegende Ösen an der Nabe ausgebrochen waren. So kurzfristig war eine Reparatur nicht möglich. Damit stand fest, dass ich mit dem Trekkingrad fahren musste.
Die Wettervorhersage für den MISISON TWO Start: „für Hessen leichter Regen. Nachmittags sollte es besser werden.“ Strecke und Zeiten standen inzwischen (endlich) fest. Ich entschied mich vom Start in Alzenau (Freitag, 14:00 Uhr) bis nach Gustavsburg (Samstag, 9:00 Uhr) mitzufahren. Einmal die komplette Strecke (400 km) mitzufahren war mir zeitlich nicht möglich, da am Samstag Abend die Weihnachtsfeier meines Radsportclubs anstand. (Und als Zweiter sowohl in der Vereinswertung, als auch auf Bezirksebene geht man umso lieber zu der dort stattfindenden Siegerehrung Körperlich denke ich, hätte ich auch länger mithalten können.
Mein geplanter Einstiegspunkt in Alzenau und das Ende in Gustavsburg liegen ca. 70 km auseinander. Deshalb stellte ich am Freitag Mittag mein Auto in Dreieich auf etwa halber Strecke ab. Etwa 1 Stunde und 45 Minuten blieben mir Zeit um die 34 km bis Alzenau zu schaffen. Während ich das Rad aus dem Auto auslud, hatte es kurzfristig aufgehört zu regnen. Doch der leichte Regen setzte kurze Zeit später wieder ein und begleitete mich treu den größten Teil der Strecke bis Seligenstadt. Danach blieb es durchgehend trocken. Die Strecke nach Alzenau hatte ich mir von meinem GPS errechnen lassen. In Seligenstadt gab es keine Brücke über den Main, so dass ich die Wahl hatte, entweder zu schwimmen oder für 0,80 Euro die Fähre zu nehmen.
Da die Zeit etwas knapp war rief ich Nette an, um nach dem genauen Startort zu fragen. Nette schlug mir vor, in Seligenstadt zu warten, da dort um 14:30 Uhr ein Termin mit dem Fotografen war. Da ich es zeitlich noch für möglich hielt, bis zum Startpunkt zu fahren, lehnte ich das nett gemeinte Angebot ab. Leider hatte ich den Treffpunkt nicht richtig verstanden und daher auch nicht im GPS gefunden. Weitere Anrufe bei Nette blieben erfolglos - Anschluss besetzt. Ich fuhr bis Hörstein, da ich erwartete, Nette dort zu treffen. Nach zehnminütiger Wartezeit beschloss ich jedoch, den Weg zurück nach Seligenstadt zu fahren. Kurz vor halb drei war ich in Seligenstadt. Jetzt gelang es mir, Nette telefonisch zu erreichen (Frauen und Telefonieren – und ich dachte, sie fahren Rad. Sie sagte mir, dass wir an der Fähre von einem Fotografen der Offenbach Post erwartet würden und bat mich, ihn solange hinzuhalten, bis der Rest der MISSION TWO eintreffen würde.
Pünktlich - mit der akademischen Viertelstunde Verspätung - kamen Nette, Goody und Kuota um 14:45 Uhr an. Diese drei hatten also vor, die komplette Zeit der MISSION TWO zu fahren. Nach einigen Aufnahmen und den ersten Stürzen (Nette 2 Mal – aus dem Stand) fuhren wir zu viert weiter - Main aufwärts nach Aschaffenburg. Hier war die Geschwindigkeit anfangs mit etwa 30 km/h recht hoch. Mit dem Rennrad ist dies Tempo für mich auch auf längeren Strecken kein Problem, aber auf dem Trekkingrad ist das schon fast die Obergrenze.
Nach einiger Zeit entschloss sich Nette, statt auf der Hauptstraße, die sich zu einer vierspurigen Schnellstraße - einem Autobahnzubringer - entwickelte, auf den parallel verlaufenden Wirtschaftsweg zu wechseln, um dann später direkt am Main weiterzufahren. Zwischen Straße und Wirtschaftsweg befand sich jedoch eine doppelte Leitplanke. Die Rennräder der anderen drei darüber zu heben, war kein Problem. Aber ohne die Hilfe von Kuota hätte ich mein Rad mit Gepäck (ca. 30 kg) kaum über die Leitplanken bekommen. In diesem Moment schwor ich mir, beim nächsten Mal auf die Mitnahme von Werkzeug und ähnlichen Erschwernissen zu verzichten.
In Aschaffenburg wartete unser nächster „Termin“ – TV-Touring – ein regionaler Fernsehsender. Als wir in Aschaffenburg das Stadtschloss erreichten, war jedoch kein Fernsehteam weit und breit zu sehen (genügen Zeit also für die Damen zum Aufhübschen). Wenige Minuten nach einem Telefonat von Nette war es soweit, dass die Aufnahmen beginnen konnten. Wir fuhren ein paar Mal am Main und unter- und oberhalb des Schlosses hin und her. Im späteren Fernsehbeitrag wirkt das viel gewichtiger, ganz anders als bei der Aufnahme. Langsam wurde es dunkel, so dass es mit voller „Fest-Beleuchtung“ an den Rädern weiterging. Da ich als Einziger einen Nabendynamo hatte, musste ich mir keine Gedanken darüber zu machen, ob die Batterien die Nacht durchhalten. Zusätzlich hatte ich noch den Batterie-LED-Scheinwerfer Ixon am Lenker montiert.
Unser nächsten Ziel war zurück über Alzenau nach Hanau-Mittelbuchen zu fahren. Und da wir nicht den gleichen matschigen Feldweg, mit dem wir auf dem Hinweg eine nasskalte unzertrennliche Bekanntschaft gemacht hatten (unsere Räder samt Fahrer sahen eher nach einem Mud-Race, als nach einer Rennradtour aus) zurück nehmen wollten, wählten wir eine vermeintlich bessere Alternative. Diese jedoch führte uns Hänsel-und–Gretel-Like durch den Wald - zum Entsetzen Kuotas, der sein Rad lieber auf Asphaltwegen sah, als auf mockeligen Abwegen. Ein umgeknickter Baum, der in Brusthöhe über die Straße hing, holte mich beinahe vom Rad. Obwohl ich den Kopf aufgrund des warnenden Rufs von Nette gesenkt hatte, hatte ich einen kurzen Schlagabtausch mit dem hinterlistigen Baumstamm.
Jetzt kommt der schönste Teil der Tour: der Besuch bei Nettes Mutter in Hanau-Mittelbuchen. Nicht nur wir wurden herzlich aufgenommen. Auch unsere Matschräder durften allesamt mit ins Haus. Eine Besonderheit und Nouveauté: hatte doch Nette erzählt, dass ihre Mutter beim letzten MISSION ONE-Zwischenstopp ungerührt erklärte, dass man die Rennräder in Mittelbuchen ruhig ungesichert vor der Haustüre stehen lassen könne „Hier bei uns kommt nichts weg.“ An dieser Stelle muss man einschieben, dass Nette zum Verpflegungs-Zwischenstopp bei ihrer Mutter nur Goody und sich angekündigt hatte. Und jetzt standen wir zu fünft – allesamt bis auf Whynot - hungrig vor der Türe. Whynot hatte sich in Mittelbuchen zu uns gesellt. Man muss sich das mal vorstellen, da kommt die Tochter mit ihrer Freundin und drei unbekannten Jungs und die werden aufgenommen als gehörten sie zur Familie. Nachdem wir uns brüderlich zu fünft die für zwei Mädels angedachte Nudelportion geteilt und sämtlichen Weihnachtsplätzchen den Garaus gemacht hatten ging wieder weiter in die Nacht.
Nach der Mittelbuchen-Rast kam der für mich schwierigste Teil der Fahrt: ein längerer, relativ steiler Anstieg, wo ich fast durchgehend an der Leistungsgrenze fahren musste – einem Streckenabschnitt der IRONMAN-Frankfurt-Radstrecke hinter Wachenbuchen Richtung Niederdorffelden zu unserem nächsten Ziel: Nidderau-Ostheim zur Weihnachtsfeier des Tria-Teams Bruchköbel. Sascha, der Sportwart und Mitglied des Tria-Teams, hatte Nette angesprochen und gefragt, ob wir nicht auf der Weihnachtsfeier kurz vorbeischauen. Einer der Gäste spendete der anwr-Kinderhilfe spontan 20 Euro. Er hatte Goody & Nette aufgrund eines Zeitungsberichtes im Hanauer Anzeiger erkannt.
Nach diesem kurzem Stopp fuhren wir weiter zum Hanauer Hauptbahnhof, wo um 23:00 Uhr unser Supporter OliA bereits wartete und Pepper.Salt zu uns stieß. Nach dem Auffüllen unserer Flaschen und Mägen führte die Tour weiter nach Frankfurt City - mit Boxenstopp an der Shell-Tankstelle auf der Hanauer Landstraße, die durch das Spenden von gelben Müllsäcken bereits MISSION ONE gerettet hatte. Und tatsächlich hatte der selbe nette Kassierer Nachtschicht, den Goody & Nette schon von MISSION ONE her kannten.
Weiter ging’s durch das nächtliche Frankfurt gen Wiesbaden. Am frühen Morgen hatte ich samt Rad einen unfreiwilligen Bodenkontakt, der aber relativ glimpflich verlief. Ursache war wohl mangelnde Konzentration wegen fehlendem Schlaf. Nach kurzer Zeit und erster Hilfe konnten wir weiterfahren. Ich entschied mich jedoch, in Wiesbaden meinen Teil der Tour zu beenden – anstatt in Gustavsburg. Nach einem Zwischenstopp beim Bäcker kurz vor Wiesbaden begleiteten mich alle zum Wiesbadener Bahnhof, wo am Samstag um kurz nach 7 Uhr MISSION TWO für mich beendet war. Mit dem Zug fuhr ich zurück nach Dreieich zu meinem Auto und dann nach Hause.
Mein Fazit: eine schöne Tour MISSION TWO, an die ich sicher noch lange denken werde. Nette Mitfahrer kennengelernt. Eine Fortsetzung – MISSION III - soll es in naher Zukunft (Anfang 2007) geben. Darauf freue ich mich schon. Am 16.12.2006 bot die Gelegenheit, mit Goody, Nette und ein paar Leuten aus dem Forum eine MTB-Tour in der Nähe von Wiesbaden zu machen. Das Trekkingrad aus MISSION TWO erwies sich leider als weniger geeignet dafür, obwohl ich trotzdem jeden Berg tapfer bezwang (und nicht umgekehrt). In den nächsten Tagen werde ich mich daher nach einem geeigneterem Rad umsehen.